Wie Pfarrer Sebastian Kneipp das Wasser, so entdeckte Schultheiß Alfred Hartranft um 1877 die gute Luft als Heilfaktor.
Alfred Hartranft Quelle: Stadt Freudenstadt
Freudenstadt hat insgesamt ein erfrischendes, anregendes Heilklima mit einem breiten Band von dosierbaren Schon- und Reizfaktoren, die innerhalb des Geländes sowohl jahreszeitlich als auch bei unterschiedlichen Wetterlagen anzutreffen sind. Belastende Faktoren (z. B. Wärmebelastung) fehlen im Sommer, stärkere heilklimatische Reize, wie z. B. die erhöhte Abkühlungsgröße, die guten Strahlungsbedingungen und die Ultraviolettstrahlung überwiegen.
Somit lassen sich in Freudenstadt durch die verschiedenen Höhenlagen des Geländes und die ausgedehnten Waldgebiete fast bei allen Wetterlagen heilklimatische Bedingungen finden, die man bei einer Klimatherapie therapeutisch ideal auch durch unterschiedliche Heilklima-Wanderwege mit abgestuften Schwierigkeitsgraden ausnutzen kann.
Ab ca. 1860
gehört die Sommer- und Winterfrische zum Lebensstil der gehobenen Kreise Europas und des Bürgertums; Entstehung von "Luftkurorten" als man die Erholungs- und Heileffekte der Höhenlagen entdeckt. Wann man genau in Freudenstadt angefangen hat, die "Luftkur" zu propagieren, lasst sich nicht festlegen.
1875
Gründung des Verschönerungsvereins, mit dessen Hilfe der spätere Schultheiß Hartranft in über 40jähriger zielstrebiger Arbeit viele Maßnahmen für das Kurwesen in Freudenstadt durchsetzt (vor allem in den 1880er Jahren - Tennisplatz - Ruhebänke, Fußwege usw.
1881
Erster Kurgast, Major von Raabe, der sich als Luftkurgast bezeichnet.
Exposé von Oberamtsarzt Lieb: "Heilwirkung der Luft bei Erschöpfungszuständen des Nervensystems, bei Bleichsucht und Blutarmut, bei Erkrankungen der Atemwege, vor allem bei der Gesundheitsvorsorge".
um 1900
Die Granhotels Waldlust, Waldeck und Rappen entstehen. König Georg von England ist Kurgast in Freudenstadt. Fritz Laufer ist in hohem Maße an der Hotelsituation beteiligt, ihm zu Ehren bekam der Brunnen nahe dem Teuchelwald den Namen "Laufer-Brunnen".
1902
Ein Kurort ohne Kurhaus bzw. Kurtheater? Undenkbar! 1902 wird das Kurtheater gebaut. 1912 folgt die Wandelhalle am Kurhaus um den "Luftschnappern" die Möglichkeit zu bieten, sich in gehobenem Ambiente zu amüsieren.
Gleichzeitig sorgt die integrierte Musikmuschel für ungestörten Musikgenuss beim Kurkonzert oder Tanztee. Der Begriff "Luftschnapper" ist in aller Munde.
Aus einem Gutachten von Sanitätsrat Dr. Wildermuth (Spezialist für Nervenkrankheiten) geht in Stuttgart hervor, dass Freudenstadt als Sommer- und Winter-Luftkurort besonders zu empfehlen ist.
1929
Der damals gehobene Golfsport soll auch in Freudenstadt etabliert werden. Der Golfplatz - heute einer der ältesten und schönsten in Deutschland - wird angelegt.
1937
Ein Rekordjahr für die Stadt Freudenstadt. 65.000 Gäste werden gezählt, darunter viele aus dem Ausland.
1939
Freudenstadt erhält erstmalig das Prädikat Heilklimatischer Kurort.
1954/55
erstmals "Freudenstädter Kur". Natürliche Heilfaktoren des Klimas und Bewegung, besonders durch Prof. Dr. Kohlrausch bekannt geworden.
Vorbegründer war Dr. Gmelin, u. a. Vorsitzender des Naturheilvereins Freudenstadt (Gründung 1952), der die Mitglieder anregte, morgens mit einigen Ärzten der Stadt zur Gymnastik auf den Kienberg zu steigen.